Stellungnahme der Bildungsakteur*innen im Projekt „Better Together!“ (BeTo!) zum vorzeitigen Förderende 2026
16.06.2026
Das Projekt „Better Together! Diskriminierungskritisch – Intersektional – Empowernd. Tools für die Bildungsarbeit“ (BeTo!) muss aufgrund der geplanten Umstrukturierung des Förderprogramms „Demokratie leben!“ seine Arbeit Ende 2026 beenden. Im Projekt arbeiten Selbstorganisationen, Schulen und Bildungsmultiplikator*innen bisher partizipativ und erfolgreich zu unterschiedlichen Themen der diskriminierungskritischen Bildungsarbeit zusammen. Seit Projektbeginn im Januar 2025 organisierten BeTo!-Projektakteur*innen pädagogische Fortbildungen, insbesondere zu Anti-Schwarzer-Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Intersektionalität. Geplant war die Publikation einer digitalen Toolbox mit pädagogischen Materialien für die weitere Nutzung durch Bildungsmultiplikator*innen bis Ende 2028.
Durch die vorzeitige Beendigung des Projekts können die begonnenen erfolgreichen Arbeiten leider nicht fortgesetzt werden. Die Projektbeteiligten betrachten dies als willkürliche Entscheidung, die den demokratischen Zielsetzungen im Bildungsbereich widerspricht und durch die Steuergelder sowie personelle und zeitliche Ressourcen verschwendet werden. In dieser Stellungnahme kommen die Projektbeteiligten zu Wort. Die einzelnen Stellungnahmen befinden sich am Ende in ausführlicher Form und werden gebündelt präsentiert. Die beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen – die Bildungsstätte Anne Frank und Diaspora Policy Interaction (bundesweit aktiv) sowie der Landesverband Deutscher Sinti und Roma in Hessen und GinCo (Darmstadt) als beständige Kooperationspartner – verweisen insbesondere auf die besondere Bedeutung, diskriminierungssensible Bildungsarbeit frühzeitig, nachhaltig und praxisnah in schulischen Strukturen zu verankern und gemeinsam mit Schulen weiterzuentwickeln. Genau darin sehen sie die besondere Stärke von BeTo!, da hier eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit Schulen und Bildungseinrichtungen stattfindet und bestätigen den bisherigen Erfolg und Wirksamkeit des Projektes.
Durch die einzigartige Konstellation von Bildungsakteur*innen und Kooperation von Fachorganisationen der jüdischen, Sinti- und Roma- sowie Schwarzen Community leistet das Projekt einen ganz besonderen Beitrag zur Sensibilisierung zukünftiger Lehrkräfte für Demokratie und den Kampf gegen Rechtsextremismus, Anti-Schwarzer-Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus. Die beteiligten Schulen – die Bertolt-Brecht-Schule, die Erich-Kästner-Schule, die Georg-Büchner-Schule und die Justus-Liebig-Schule in Darmstadt sowie die Albert-Einstein-Schule in Langen – bedauern das vorzeitige Ende sehr. Dadurch fällt eine wertvolle Unterstützung in den Bereichen Demokratiebildung, Handlungssicherheit im Umgang mit Diskriminierung und Extremismusbekämpfung weg.
Für die am Projekt beteiligten Lehrkräfte sind die angebotenen pädagogischen Fortbildungen und der direkte Austausch mit geschultem Fachpersonal sowie mit Expert*innen aus der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft von großer Bedeutung. Darüber hinaus gibt das Projekt „Better Together!“ wichtige Impulse für die Schulentwicklung. Es trägt dazu bei, diskriminierungskritische Perspektiven stärker in schulische Prozesse, Unterrichtsgestaltung und außerunterrichtliche Projekte zu integrieren. Beispiele hierfür sind die „Anne-Frank-Tage“ gegen Antisemitismus und Diskriminierung im Juni sowie die Erinnerungsarbeitsprojekte der „Geschichtensammler“ (2026–27), die sich auf die Verfolgung der Sinti und Roma im NS konzentrieren. Auch die Darmstädter Geschichtswerkstatt (GW) betont die Bedeutung des BeTo!-Projektes aus der Perspektive eines gemeinnützigen Vereins zur historisch-politischen Bildung.
Für die Schulen ist es besonders bedeutsam, dass „Better Together!“ nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch konkrete Handlungssicherheit im Umgang mit diskriminierenden und demokratiefeindlichen Äußerungen schafft. Diese Sicherheit ist im schulischen Alltag unerlässlich, da Lehrkräfte täglich mit komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Das vermittelte Wissen kann direkt in der alltäglichen schulischen Arbeit genutzt werden, um auf antisemitische, anti-Schwarze, antiziganistische, rassistische sowie demokratiefeindliche Äußerungen im Unterricht adäquat zu reagieren. Daher sehen die beteiligten Lehrkräfte es besonders kritisch, dass durch die vorzeitige Beendigung zentrale Vorhaben, wie die Entwicklung und Bereitstellung einer digitalen Toolbox mit erprobten Unterrichtsmaterialien, nicht abgeschlossen werden können.
Der AStA der TU Darmstadt (Referate Antidiskriminierung und Antifaschismus) und das Büro für Diversität & Antidiskriminierung (AD-D) bezeichnen die vorzeitige Beendigung als erheblichen Verlust für die diskriminierungskritische Bildungsarbeit an der TU Darmstadt und darüber hinaus. Die beiden Demokratie leben!-Projekte „Vibi!” (2020–2024) und „BeTo!” (seit 2025) haben in den vergangenen Jahren durch ihre herausragende Arbeit dazu beigetragen, Akteur*innen aus Selbstorganisationen, Schulen und Bildungseinrichtungen sowie Hochschullehrende, Studierende und Antidiskriminierungsstellen zusammenzuführen und gemeinsame Räume für Austausch, Reflexion und Zusammenarbeit zu schaffen. Gerade diese partizipative und vernetzende Arbeitsweise stärkt demokratische Werte an der Basis und macht sie in konkreten Bildungszusammenhängen wirksam. Demokratiebildung, Antidiskriminierungsarbeit und intersektionale Bildungsansätze dürfen nicht von kurzfristigen Umstrukturierungen abhängig gemacht werden, sondern benötigen Verlässlichkeit, Kontinuität und politische Rückendeckung.
Wir bitten alle Leser*innen darum, diese Stellungnahme in ihrem privaten Umfeld sowie in beruflichen und politischen Kontexten zu verbreiten und sich gemeinsam mit uns für
- die Fortführung des Projekts „Better Together!“ und aller „Demokratie leben!“-Projekte über 2026 hinaus und
- die langfristige Sicherung der begonnenen inhaltlichen Arbeit, insbesondere der geplanten Bildungsmaterialien, sowie
- eine verlässliche und langfristige Förderung diskriminierungskritischer Bildungsarbeit in Schulen und Hochschulen, einzusetzen.
Die Vermittlung demokratischer Kompetenzen und die Bildungsarbeit gegen Diskriminierung sind langfristige, kontinuierliche gesellschaftliche Aufgaben. Anstelle kurzfristiger, unbegründeter Abbrüche von bewilligten Demokratieprojekten müssen nachhaltige Strukturen geschaffen werden, die engagierte Bildungsakteur*innen und demokratische Kräfte stärken, insbesondere in Zeiten besonderer historisch-politischer Verantwortung.
zur gesamten Stellungnahme der Bildungsakteur*innen (PDF-Datei) (wird in neuem Tab geöffnet)