Geschichte der Tutoriellen Lehre

Geschichte der Tutoriellen Lehre

Die Anfänge der Tutoriellen Lehre an den damals noch getrennten Instituten für Pädagogik und Berufspädagogik an der TU Darmstadt entstanden im Wintersemester 1970/71 im Geiste der 68er Bewegung als Partizipationsforderung von Gewerbelehramtsstudent*innen, die in diesem Jahr eine neue Studienordnung erhielten. Um den eigenen Defiziten im Gebrauch mit Begriffen entgegenzuwirken, gründeten die Student*innen eigenverantwortlich Lerngruppen.

Unter dem Titel „Pädagogische Praxis“ bereiteten sie sich wechselseitig auf die Hospitationsbesuche im Rahmen des Schulpraktikums vor und wendeten sich dann an die Fachbereichskonferenz, um für die Lehrtätigkeit bezahlt zu werden. Zudem sollten die Teilnehmer*innen für ihre Teilnahme an den Lerngruppen Leistungsnachweise erhalten. 1973 gab es einen Antrag an die Fachbereichsleitung, dass der Fachbereich die Leitung übernehmen sollte. Unter Anderem übernahmen Herbert Fenger, Hans-Jochen Gamm und Gernot Koneffke die Verantwortung für die Tutorien, die inhaltliche Leitung verblieb jedoch weiterhin bei den Studierenden.

Ab den 1990er Jahren wurde die tutorielle Lehre am Institut ausgeweitet. Professor Pongratz, der zwischenzeitlich die Verantwortung für das nun als „Pädagogische Begriffsbildung“ bezeichnete Format übernahm, entwickelte dieses weiter, indem eine strukturelle (Prozess-)Begleitung etabliert wurde. Eine externe Supervisorin begleitete die Tutor*innen mit Team- und Fallbesprechungen. Dadurch konnte die Begleitung in einem wertungsfreien Rahmen geschehen, sodass die Tutor*innen agieren konnten, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

Ab den 2000er Jahren wurden die beiden Institute für Pädagogik und Berufspädagogik zusammengelegt und bildeten das Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik. Durch die Zusammenlegung wurden auch die bisherigen Vorgehensweisen geprüft und die Tutorien nicht mehr durch eine*n Professor*in, sondern durch ein*n wissenschaftliche*n Mitarbeiter*in des Instituts begleitet. Statt eines ausschließlich für Tutor*innen geöffnete Seminars wurde dieses auch für andere Student*innen freigegeben und bot nun die Möglichkeit zum Leistungserwerb. Die externe Supervision wurde zunächst kostenfrei von der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle der TU Darmstadt (HDA) durchgeführt. Ab diesem Zeitpunkt wurden außerdem alle Tutorien evaluiert. Die HDA zog sich einige Jahre später aus der Prozessbegleitung zurück und seitdem wird diese am Institut selbst durchgeführt.

Ab den 2010er Jahren wurde die tutorielle Lehre mit den Projekten KIVA/KI²VA und MINTplus ausgeweitet und die Qualifizierung in Studienordnungen integriert, zunächst als Wahlpflichtmodule und mit der LaG Studienordnung 2017 als Praxisphase II im Pflichtbereich. Für das Lehramt an Berufsbildenden Schulen soll die Praxisphase II in die kommende Neukonzeption ebenfalls übertragen werden.