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Lernen durch Lehren V – Qualitative Förderung tutorieller Arbeit in der Studieneingangsphase

Lernen durch Lehren V – Qualitative Förderung tutorieller Arbeit in der Studieneingangsphase

Das Praxislabor des Instituts für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik bietet im Rahmen des QSL-Projekts „Lernen durch Lehren V“ im interdisziplinären Umfeld bedarfsorientierte Qualifizierung und Prozessbegleitung von Tutor_innen für interessierte Institute und Einrichtungen der TU Darmstadt an. Die Erfahrungen und Erkenntnisse, welche das Praxislabor durch den Austausch in der Forschung über die Grenzen der tutoriellen Arbeit hinaus, aber auch durch die eigene praktische – konsequent weiterentwickelte – Arbeit gewonnen und aufbereitet hat, sollen im Rahmen des Projektes anderen Disziplinen zugänglich gemacht werden, um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen. Das Projekt hat sich aus der Prozessbegleitung am Institut für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik entwickelt.

Die Prozessbegleitung als professionelle Begleitung der Studierenden bei ihrer Arbeit als Tutor_innen ist am Institut für Allgemeine Pädagogik seit dem Sommersemester 2009 etabliert und wird seither kontinuierlich weiterentwickelt und wissenschaftlich ausgewertet.

Qualitative Förderung tutorieller Arbeit in der Studieneingangsphase
Das Projekt „Lernen durch Lehren V“ knüpft an den Herausforderungen von gestiegenen Studierendenzahlen und dem daraus resultierenden gestiegenen Bedarf von Tutorien und Übungsgruppen an. Das Projekt zielt auf eine qualitative Verbesserung der Tutoriellen Arbeit in der Studieneingangsphase und eine Kompetenzerweiterung von Tutor_innen durch eine professionelle Betreuung.
Die vergangenen Semester belegen sehr eindrücklich, dass aufgrund einer bedarfsgerechten und spezifischen Tutor_innenqualifizierung und Praxisbegleitung die Akzeptanz und die Sinnhaftigkeit eines Einsatzes von qualifizierten Tutor_innen in den Fachbereichen und zentralen Einrichtungen nicht nur steigen, sondern gewünscht und aktiv gefördert werden.

Die pädagogische Prozessbegleitung der Tutorien beschäftigt sich mit überfachlichen Themen. Sie dient als Anlaufstelle um Konflikte oder Probleme innerhalb der Tutorien und Arbeitsbereiche zu klären sowie das Methodenrepertoire zu erweitern und anzupassen. Es werden regelmäßige Hospitationen und Sprechstunden zur Verbesserung der tutoriellen Arbeit angeboten.

Prozessbegleitung als Ergänzung zur inhaltlichen Begleitung
„Lernen durch Lehren V“ strebt als ergänzendes Angebot, eine Unterstützung bei der Qualifizierung und Praxisbegleitung von Tutor_innen in verschiedenen Fachbereichen und zentralen Einrichtungen an, die möglicherweise über keine oder wenig Erfahrung in diesem Bereich verfügen und unterstützt werden möchten sowie eine Beratung und Begleitung für Institute und Einrichtungen, die bereits eine eigene Qualifizierung und ggf. eine Praxisbegleitung ihrer Tutor_innen anbieten und hierbei didaktische und methodische Unterstützung wünschen.TutorInnen der pädagogischen Begriffsbildung sind in einer besonderen Situation, sie bestimmen selbst die Inhalte, Abläufe und Umsetzungen des Seminars. Für das gute Gelingen steht folgende Unterstützung bereit:

„Lernen durch Lehren V“ orientiert sich an den Spezifika unterschiedlicher Fachdisziplinen und geht bei der Begleitung der Tutor_innen auf die fachspezifischen Herausforderungen ein. Die pädagogische Betreuung steht im engen Kontakt mit den inhaltlich verantwortlichen Personen. Besonders im interdisziplinären Kontext ist es von Bedeutung, dass alle an den Kooperationen Beteiligten Abstand von möglichem Belehrungsdenken nehmen, sondern die Besonderheiten und vorhandenen Strukturen aufnehmen und konstruktiv gemeinsam gestalten, um den übergeordneten Zielen der Kooperationspartner näher zu kommen.

Es hat sich als produktiv und sinnvoll erwiesen, Tutor_innen ebenso wie die Verantwortlichen bei der Konzeption und Durchführung von Veranstaltungen und Betreuungsangeboten umfangreich zu unterstützen. Sowohl Tutor_innen als auch Verantwortlichen des Kooperationspartners wird eine methodisch-didaktische Begleitung zur Seite gestellt, um langfristig die eigenen Strukturen anzupassen bzw. zu ergänzen, um sich aus einer Abhängigkeit von externer Expertise zu lösen, ohne sich für externe Sichtweisen zu verschließen.

Tutorielle Arbeit in den studienvorbereitenden Kursen für Studieninteressierte mit Fluchthintergrund

Mit der neuen Förderphase des Projekts „Lernen durch Lehren V“ ist die Kooperation mit dem Dezernat VIII und dem Sprachenzentrum im WiSe 17/18 angelaufen. Nach einer Bedarfsermittlung und Konzeptionsphase gemeinsam mit beiden Kooperationspartner*innen, werden seit dem SoSe 2018 studentische Tutor*innen in den studienvorbereitenden Kursen mit sprachlichem Schwerpunkt für Studieninteressierte mit Fluchthintergrund eingesetzt.

Die Tutor*innen wurden vor ihren Tätigkeiten fachdidaktisch und methodisch-didaktisch qualifiziert, hospitierten in bereits stattfindenden Kursen und reflektierten ihre Eindrücke gemeinsam mit LdL-Projektmitarbeiter*innen. Während der Einsätze der Tutor*innen finden Hospitationen und individuelle und unmittelbare Feedback- und Reflexionsgespräche statt. Zudem werden praxisbegleitend Workshops und Prozessbegleitungstreffen durchgeführt.

Die Besonderheit dieser Tutorien liegt in ihrer Verortung im Studienverlauf und ihrer Form. Denn im Gegensatz zu anderen Tutorien finden diese vor Studienbeginn statt und bereiten die Deutschlernenden durch Kurse mit sprachlichem Schwerpunkt auf die Sprachprüfungen vor, deren Bestehen eine Prämisse für die Studienaufnahme von geflüchteten Hochschulzugangsberechtigten bildet. Bislang wurde in diesen Kursen in Großgruppen unterrichtet; mit der Einführung der Tutorien wird auch in Kleingruppen gearbeitet, welche von den Tutor*innen begleitet und unterstützt werden. Durch diese Form der tutoriellen Arbeit kann auf die individuellen Bildungsbiografien eingegangen werden, was zuvor in der Großgruppe und dem meist frontal stattfindenden Unterricht nicht möglich war. Das Ziel besteht darin den Unterricht für die Lernenden zu verbessern und in der Folge die Bestehensquote bei den Prüfungen zu erhöhen, um den Studieninteressierten den Studienzugang zu ermöglichen.

Gezielte Förderung folgender Kompetenzen der Tutor_innen

  • gesteigerte Fach- und Sachkompetenz durch die Vermittlung von sachlichen Zusammenhängen, wissenschaftlichen Erklärungsmodellen, dem Verständnis von wissenschaftlichen Fachtexten usw.
  • gesteigerte Sozialkompetenz durch das Moderieren von Gruppenprozessen, das Geben von konstruktivem Feedback, dem Motivieren von Studierenden usw.
  • gesteigerte Selbstkompetenz durch eine gezielte Rückmeldung an die Tutor_innen bei den Hospitationen und gemeinsamen Treffen der Tutor_innen während der Praxisbegleitung.

Angebote für interessierte Institute, Fachbereiche und Einrichtungen

  • (Basis-)Qualifizierungsworkshops
  • Weiterbildungsworkshops
  • Supervisionstreffen nach Absprache
  • Einzelberatungen nach Absprache
  • Hospitation der Tutor_innen und direkte Rückmeldung
  • Unterstützung bei der Konzeptentwicklung zur tutoriellen Arbeit
  • Ansprechpartner bei methodisch-didaktischen Fragen & Anliegen

Prozessbegleitung im interdisziplinären Rahmen

Derzeit werden Tutor_innen unserer Kooperationspartner in den folgenden Fachbereichen und zentralen Einrichtungen der TU Darmstadt betreut:

  • Bauingenieurswesen
  • Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften
  • Humanwissenschaften
  • Maschinenbau
  • SchreibCenter des Sprachenzentrums
  • Sprachenzentrum/Dezernat VIII Internationales

Mittlerweile sind vier Kooperationen im Rahmen des Projekts „Lernen durch Lehren“ erfolgreich abgeschlossen worden. Alle vier Fachbereiche haben die Professionalisierung der tutoriellen Arbeit verstetigt und sind Mitglieder des KI²VA Schwerpunkt Tutorielle Lehre:

  • Informatik
  • Mathematik
  • Physik
  • Geowissenschaften

Möchten sie weitere Informationen oder streben sie eine Kooperation an?
Wenden Sie sich bitte an Derman Aygün, Sevim Dylong & Christian Vollrath.