Stellungnahme des Projekts Vielfalt bildet!

Rassismuskritische Bildungsarbeit

22.05.2023

Ende Februar 2023 wurde eine Lehramtsstudierende der TU Darmstadt in der Innenstadt während der sehr belebten Mittagszeit in der Darmstädter Innenstadt angegriffen. Es handelt sich um einen rassistischen gewaltvollen Übergriff der seitens eines weiß positionierten Mannes verübt wurde. Der Täter spuckte der Studierenden ins Gesicht und versuchte anschließend ihr gewaltvoll das Kopftuch herunterzureißen. Die muslimische Frau wehrte sich und machte durch Schreien auf sich aufmerksam. Der Mann ließ von ihr ab und ging davon. Während der antimuslimisch rassistisch motivierten Tatschritt kein*e Passant*in ein. Niemand reagierte sichtbar für die Betroffene, weder auf den körperlichen Übergriff noch auf die Rufe der jungen Frau.

Die Studentin ging direkt zur Polizeistation und erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Rassistische Vorfälle und Gewaltmomente sind keine Einzelfälle. Sie passieren täglich auf offener Straße und viel zu oft ohne, dass sich Anwesende dazu verhalten und solidarisch den Betroffenen zur Seite stehen. Die Anerkennung und Sichtbarkeit von Rassismus seitens der Dominanz- und Mehrheitsgesellschaft hat – unter anderem durch mediale Diskurse – in den letzten Jahren und Jahrzehnten zugenommen. Dennoch verharren Menschen, die das Privileg haben, keinen/sehr wenig Rassismus zu erfahren, noch viel zu häufig und bleiben stumm, schauen weg und mischen sich nicht ein, so dass Angreifer*innen sich ermutigt fühlen können.

Rassismus ist vielschichtig und komplex, ereignet sich nicht ausschließlich über körperliche Übergriffe und/oder Beleidigungen einzelner Individuen. Gewaltvoll sind auch subtile Formen von Rassismus und Fremdmarkierungen, struktureller Rassismus auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche, im Bildungssystem sowie auf der Ebene der institutionellen Diskriminierung in Schule, bei Behörden, der Polizei u.v.m. In allen Fällen und auf allen Ebenen muss erstens hingeschaut werden und zweitens dagegengehandelt werden.

Jede*r Mensch sollte unabhängig von seiner Herkunft, Religion, Geschlechtszugehörigkeit, sexueller Orientierung, Klassenzugehörigkeit etc. angstfrei und anerkannt in einer demokratischen Gesellschaft leben. Wir alle können dazu beitragen jeglichen Formen von Rassismus und Diskriminierung entgegenzuwirken. Nicht alle sehen sich in der Lage direkt einzuschreiten. Wir können aber andere ansprechen und gemeinsam handeln! Wir können fotografieren und uns das Aussehen des*der Angreifer*in einprägen, um bei der Fahndung zu unterstützen. Wir können Betroffene zur Polizei begleiten. Es gibt viele Möglichkeiten entsprechend unseren jeweiligen Möglichkeiten. Nur Wegschauen ist keine Option!

Als Bildungsprojekt sehen wir unsere Verantwortung auch in der Sensibilisierung der Menschen hinsichtlich rassistischen Verhaltens, des Empowerns sich dagegen zu wehren und solidarisch zu unterstützen.

Das Projekt positioniert sich in Solidarität mit der Studierenden, mit den vielen täglich von Rassismus

Betroffenen und fordert alle Menschen auf an ihren jeweiligen Lebensorten entschieden gegen Rassismus vorzugehen und sich einzumischen, wenn Rassismus wahrgenommen wird.

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